Chronik

Chronik der Loge „Zum Goldenen Apfel“

Ihr Licht erhielt die Loge unter dem Patent der Großloge von Berlin, auf Initiative von Johann Samuel Petermann, zum Zeitpunkt ihrer Gründung 16. November 1776 Hofmeister der Grafen von Mengden in Wildenfels bei Zwickau.

Das alte Logenhaus Ostra-Allee 15 in Dresden
Das alte Logenhaus Ostra-Allee 15 in Dresden (1838-1935). Postkarte o.D.

Bereits zwei Jahre später nahm Petermann eine Stellung am Dresdner Hof als Erzieher junger Aristokraten (Söhne des Grafen Mecklenburg-Strelitz) an. Als dann dem Ruf Petermanns aus Dresden folgend weitere Brüder dieser jungen Loge nach Dresden übersiedelten, reifte der ungewöhnliche Entschluß für einen Umzug der gesamten Loge nach Dresden. Das wurde 1781 in die Tat umgesetzt, 1783 gab die Loge die Verbindung mit der Grossen Landesloge von von Deutschland auf.

Seit 1738 wirkte in Dresden bereits die Loge „Zu den drei Schwertern„. Von deren Mitgliedern wurden nun Befürchtungen laut, es könne zu Abwanderungen in der Bruderschaft kommen, eine Konkurrenzsituation könne eskalieren und Ranglistenstreit den Frieden der Loge beeinträchtigen. Die Schwerter-Brüder verlangten von ihren gewählten Beamten, eine klärende Aussprache mit den „Neuen“ zu führen. – Das Treffen fand statt. Es wurden alle Besorgnisse hinsichtlich wechselseitiger Beeinträchtigungen aus dem Wege geräumt. Grundsätzlich und vorbehaltlos wurde die immerwährende Selbständigkeit beider Logen festgeschrieben. Dadurch wurden die Möglichkeit und der Spielraum für eine weitgehende Zusammenarbeit gelegt. Beides bewährte sich, ca. 154 Jahre lang. Das Ende der ersprießlichen „getrennten Gemeinschaft“ wurde von außen gesetzt – durch das Verbot jeglicher freimaurerischen Regung per 31. Juli 1935.

Das heutige Logenhaus

Seit 2013 arbeiten mehrere Dresdner Logen unter einer gemeinsamen Adresse: Tolkewitzer Straße 49 im Stadtteil Blasewitz. Eine ausführliche Fotostrecke von der Sanierung des Gebäudes hält die Internetseite der Eigentümerin, die Freimaurerstiftung der Schwerter- und Apfelloge zu Dresden, bereit:
www.freimaurerstiftung-dresden.de/das-neue-logenhaus

Dresdner Logenhaus seit 2013
Dresdner Logenhaus seit 2013. Foto o.D., Freimaurerstiftung Dresden

Die Wiederentdeckung und Restaurierung der beiden originalen Sphinx-Plastiken aus Sandstein, die einst der berühmte Bildhauer Ernst Rietschel für das alte Logenhaus auf der Ostra-Alle schuf, sorgte im Jahr 2014 auf großes Aufsehen. Sie zieren heute wieder den Eingangsbereich, ihre Geschichte ist im Freimaurer-Wiki dokumentiert:
www.freimaurer-wiki.de/index.php/ Archäologischer_Sphingenfund_in_Dresden

Sphingen vor dem neuen Dresdner Logenhaus
Sphingen von Ernst Rietschel vor dem neuen Dresdner Logenhaus. Foto o.D., Elmar Vogel

Das Freimaurerinstitut

Die Dresdner Freimaurerlogen, traten auch als Wohltätigkeitseinrichtung in Erscheinung, und unterhielten unter anderem das sogenannte Freimaurerinstitut.

Freimaurerinstitut - Lehr- und Erziehungsanstalt für Knaben zu Dresden-Striesen. Öffentliche Realschule
Freimaurerinstitut – Lehr- und Erziehungsanstalt für Knaben zu Dresden-Striesen. Öffentliche Realschule. Postkarte o.D.

Es geht auf eine am 1. Dezember 1772 in der Friedrichstadt gegründete freimaurerische Knabenerziehungs- und Lehranstalt zurück, welche im Hinterhaus des gräflich Wallwitzchen Grundstücks eingerichtet wurde. 30 verarmte und verwaiste Kinder wurden aufgenommen und durch den Lehrer Johann Gottlob Moraweck erzogen. Die Aufsicht hatte der Pastor Raschig.

Dieses Gebäude genügte den Brüdern nicht und so sammelten sie 7000 Taler. Davon kauften sie ein Grundstück, welches zum ehemaligen Brühl’schen (nachher Marcolini’schen) Garten gehörte, und bauten darauf ein Gebäude das am 27. Oktober 1773 eingeweiht wurde. Zunächst war es als Anstalt für 20 Knaben und 20 Mädchen ausgelegt. Ein neuer Flügel wurde am 1. Dezember 1774 eingeweiht. 1801 wurde sie zu einer Allgemeine Bürgerschule. Ab dem Jahr 1843 wurden nur noch Knaben aufgenommen, das machte das Freimaurer-Institut für höhere Töchter nötig. Die Zahl der Schüler wurde seitdem auf 100 bestimmt mit 34 Freistellen (für vaterlose Waisen, Söhne von Lehrern, Geistlichen, Aerzten, Beamten u. s. w.). Die Vorsteher waren 15 Mitglieder der Loge „zu den drei Schwertern“. Diese Knabenschule vermittelte vor allem bürgerlich-humanistische Ideale, förderte aber auch die schönen Künste. So förderte die Schule durch umsichtige Zeichenlehrer, wie den in Meißen geborenen Carl Gustav Wunderlich, die Schüler darunter Sascha Schneider und Ferdinand Rayski, die später berühmte Maler wurden. Im Jahre 1876 wandelte man das Institut in eine Realschule II. Ordnung um.

2968 Schüler absolvierten im Laufe der Geschichte das Freimaurerinstitut, darunter so bekannte Schüler wie Ferdinand von Rayski, Hans Georg Bötticher (der Vater von Ringelnatz), Sascha Schneider (Jugendstilkünstler und Illustrator von Karl Mays Werken) und Johann Andreas Schubert.

Als Lehrer war hier beispielsweise Carl Heinrich Nicolai ab 1784 tätig. Auch Waisen und Kindern aus ärmeren Bevölkerungsschichten war der Schulbesuch auf Grund der Finanzierung durch eine angeschlossene Stiftung möglich. Nachdem in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts nach Entwürfen von Hermann Kickelhayn an der Eisenacher Straße in Striesen ein neogotischer Neubau entstanden war, zog die Schule dorthin um. Sie trug nun den Namen Stiftung Lehr- und Erziehungsanstalt für Knaben zu Dresden-Striesen – Freimaurerinstitut. In Folge des staatlich verordneten Verbots wurde das Gebäude mitsamt seines angeschlossenen Internats seit Mitte der 1930er Jahre nicht mehr durch die Freimaurer genutzt. Heute befindet sich hier die Kreuzschule.

Lehr- und Erziehungsanstalt für Töchter gebildeter Stände (genannt Freimaurerinstitut für Töchter)

Lehr- und Erziehungsanstalt für Töchter gebildeter Stände (genannt Freimaurerinstitut für Töchter)
Lehr- und Erziehungsanstalt für Töchter gebildeter Stände („Freimaurerinstitut für Töchter“). Postkarte o.D., Sammlung Jens Rusch

Eine weitere Einrichtung, die die Loge „Zum goldenen Apfel“ allein bestritt darf nicht vergessen werden. Im April des Jahre 1852 eröffneten die Brüder der Apfelloge eine „Lehr- und Erziehungsanstalt für Töchter gebildeter Stände“ verbunden mit einer Lehrerinnen-Bildungsanstalt. Dafür hatten sie ein Grundstück vor dem Löbtauer Schlage erworben (Löbtauer Straße 13). 1867 besuchten diese Schule bereits 174 Schülerinnen. Der Vorstand setzte sich aus 16 Mitgliedern der Apfelloge zusammen. Das Lehrerkollegium umfasste 7 Lehrer und 7 Lehrerinnen und mehrere Fachlehrer, deren Zahl unerwähnt bleibt (Angabe vom Jahr 1861).

Schillerstiftung von 1859

Der Schriftsteller und Feuilletonist Julius Hammer, brachte den Vorschlag ein, die „deutsche Schillerstiftung“ für in Not geratene Künstler am 50. Todestages Friedrich Schillers zu Gründen. Bei der Trauerfeier in Loschwitz kam dem Apfelogenbruder Hammer diese Idee. Sie wurde im Oktober des Jahr 1859 im Dresdner Zwinger gegründet. Br. der Schwerterloge Major Johann Friedrich Anton Serre lobte die „Schiller-Lotterie“ aus, welche der Schillerstiftung 300.000 Taler einbrachte. Auch heute noch gibt es diese Stiftung unter dem Namen „Schillerstiftung von 1859“:
www.schillerstiftung.de/die-schillerstiftung/geschichte

Noch mehr Wissenswertes…

…interessante Daten und Fakten über die Freimaurerei im Allgemeinen und unsere Loge im Besonderen finden Sie auch im „Freimaurer-Wiki“:
www.freimaurer-wiki.de/index.php/Zum_Goldenen_Apfel_(Dresden)

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